Montag, 25. April 2022

Liebesnacht



 
Nun lös' ich sanft die lieben Hände,
Die du mir um den Hals gelegt.
Dass ich in deinen Augen finde,
Was dir das kleine Herz bewegt.
 
O sieh die Nacht, die wundervolle,
In ferne Länder zog der Tag.
Der Birke Zischellaub verstummte,
Hörst du den Nachtigallenschlag?
 
Der weiße Schlehdorn uns zu Häupten,
Es ist die liebste Blüte mir.
Trenn' ab ein Zweiglein eh' wir scheiden,
Zu dein' und meines Hutes Zier.
 
Lass, Mädchen, uns die Nacht genießen,
Allein gehört sie mir und dir.
Die Blüte will ich aufbewahren
An diese Frühlingsstunde hier.

Detlev von Liliencron

(1844-1909)

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Mittwoch, 6. April 2022

Springtime

 

 Here I lie on the spring hill

The cloud becomes my wing,

A bird flies ahead of me.

Oh, tell me, my tiny love,

Where you stay, that I may stay with you!

But you and the air have no house.

Like the sunflower my mind is open,

Yearning,

Stretching

In love and hope.

Spring, what are you willing?

When will I be satisfied?

 The cloud I see walking and the river,

The golden kiss of the sun

Deep into my blood;

The eyes, wonderfully intoxicated,

Do as if they were asleep,

Only the ear listens to the sound of the bee.

 I think this and think that,

I long and don't quite know what for.

Half it is desire, half it is lament.

My heart, O say,

 What do you weave for memory

In golden green twilight?

Old unnameable days.

Eduard Mörike

1804-1875

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Freitag, 25. März 2022

Die Natur

 

 

Wenn der Mensch keinen Platz mehr für die Natur haben wird,

hat die Natur möglicherweise keinen Platz mehr für die Menschen.

Stefan Edberg

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Sonntag, 20. März 2022

Frühlingsglaube

Es wandert eine schöne Sage
Wie Veilchenduft auf Erden um,
Wie sehnend eine Liebesklage
Geht sie bei Tag und Nacht herum.


Das ist das Lied vom Völkerfrieden
Und von der Menschheit letztem Glück,
Von goldner Zeit, die einst hienieden,
Der Traum als Wahrheit, kehrt zurück.

Wo einig alle Völker beten
Zum Einen König, Gott und Hirt:
Von jenem Tag, wo den Propheten
Ihr leuchtend Recht gesprochen wird.

Dann wird's nur eine Schmach noch geben,
Nur eine Sünde in der Welt:
Des Eigen-Neides Widerstreben,
Der es für Traum und Wahnsinn hält.

Wer jene Hoffnung gab verloren
Und böslich sie verloren gab,
Der wäre besser ungeboren:
Denn lebend wohnt er schon im Grab.

Gottfried Keller
(1819 - 1890)
 
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Bild: Pixabay
 

Mittwoch, 2. März 2022

Zusammenhalt

 

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Da fiel der Nebel

  

Ich spielte mit meinem Entzücken und schloss überfüllt die Augen zu

und sah nichts mehr als die Sonne,

die warm und lodernd durch die Augenlider drang,

und hörte nichts mehr als das weichende Donnern.

Da fiel endlich der Nebel des Schlafs auf meine Seele

und überdeckte mit seinem grauen Gewölke den Frühling.


Jean Paul

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Freitag, 14. Januar 2022

Wie ein neues Buch

 

Ein neues Buch, ein neues Jahr
Was werden die Tage bringen?
Wird's werden, wie's immer war
Halb scheitern, halb gelingen?


Theodor Fontane
(1819 - 1898) 

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