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Mittwoch, 17. Januar 2024

Alte Liebe


Ich hab dich lieb, kannst du es denn ermessen,

Verstehn das Wort, so traut und süß?

Es schließet in sich eine Welt von Wonne,

Es birgt in sich ein ganzes Paradies.

 

Ich hab dich lieb, so tönt es mir entgegen,

Wenn morgens ich zu neuem Sein erwacht;

Und wenn am Abend tausend Sterne funkeln,

Ich hab dich lieb, so klingt die Nacht.

 

Du bist mir fern, ich will darob nicht klagen,

Dich hegen in des Herzens heil’gem Schrein.

Kling fort, mein Lied! Jauchz auf, beglückte Seele!

Ich hab dich lieb, und nie wirds anders sein.

 
Frank Wedekind
1864 - 1918
war deutscher Schriftsteller, Dramatiker,
Dichter und Schauspieler 
 
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Bild mit KI erstellt von Seelenflügelgarten

Samstag, 6. Januar 2024

Eislauf

 

Auf spiegelndem Teiche
zieh' ich spiegelnde Gleise.
Der Kauz ruft leise.
Der Mond, der bleiche,
liegt über dem Teiche.

Im raschelnden Schilfe,
da weben die Mären,
da lachet der Sylphe,
in silbernen Zähren,
tief innen im Schilfe.

Hei, fröhliches Kreisen,
dem Winde befohlen!
Glückseliges Reisen,
die Welt an den Sohlen,
in eigenen Kreisen!

Vergessen, vergeben,
im Mondlicht baden;
hingaukeln und schweben
auf nächtigen Pfaden!
Sich selbst nur leben!

Gerhart Hauptmann
 
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Bild mit KI erstellt von Seelenflügelgarten
 

Donnerstag, 21. Dezember 2023

Die hohen Tannen



Die hohen Tannen atmen heiser
im Winterschnee, und bauschiger
schmiegt sich sein Glanz um alle Reiser.
Die weißen Wege werden leiser,
die trauten Stuben lauschiger.

Da singt die Uhr, die Kinder zittern:
im grünen Ofen kracht ein Scheit
und stürzt in lichten Lohgewittern, -
und draußen wächst im Flockenflittern
der weiße Tag zu Ewigkeit.


Rainer Maria Rilke.
1875 - 1926
 
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 Bild mit KI erstellt von Seelenflügelgarten

Sonntag, 17. Dezember 2023

Das Leben fühlen

 
 
Das Leben fühlen, so wie es ist,
Ganz bei dir sein, so wie du bist.
Jeden Atemzug spüren, tief in dir drin.
Dein Innerstes berühren, das ist der Sinn.
Die Seele erfassen, hell wie sie strahlt,
Sie baumeln lassen, bis das Glück dir naht.

Das Leben fühlen, mit all seiner Macht,
Es wird dir Stärke geben und viel Kraft.
Die innere Ruhe finden, im Einklang mit dir
Dann wird dir alles gelingen, im Jetzt und Hier.
Lass dein Herz dich leiten durch den Tag.
Bewahre die Ruhe, egal, was kommen mag.

© Ursula Evelyn
 
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Bild mit KI erstellt von Seelenflügelgarten
 

Dienstag, 12. Dezember 2023

Auf die Winterszeit

 


Der Winter hat sich angefangen,
Der Schnee bedeckt das ganze Land,
Der Sommer ist hinweg gegangen,
Der Wald hat sich in Reif verwandt.

Die Wiesen sind von Frost verzehret,
Die Felder glänzen wie Metall;
Die Blumen sind in Eis verkehret,
Die Flüsse stehn wie harter Stahl.

Wohlan, wir wollen von uns jagen
Durchs Feuer das kalte Winterkleid;
Kommt, lasst uns Holz zum Herde tragen
Und Kohlen dran, jetzt ist es Zeit.

Lasst uns den Fürnewein hergeben
Dort unten aus dem großen Fass!
Das ist das rechte Winterleben:
Ein′ heiße Stub′ und kühles Glas.

Wohlan, wir wollen musizieren
Bei warmer Luft und kühlen Wein;
Ein ander mag sein′ Klagen führen,
Den Mammon nie lässt fröhlich sein.

Wir wollen spielen, scherzen, essen,
Solang′ uns noch kein Geld gebricht,
Doch auch der Schönsten nicht vergessen,
Denn wer nicht liebt, der lebet nicht.

Wir haben dennoch genug zu sorgen,
Wann nun das Alter kommt heran;
Es weiß doch keiner, was ihm morgen
Noch vor ein Glück begegnen kann.

Drum will ich ohne Sorgen leben,
Mit meinen Brüdern fröhlich sein.
Nach Ehr′ und Tugend tu′ ich streben,
Den Rest befehl′ ich Gott allein.

Johann Rist
 *1607 † 31.08.1667
war deutscher Barockdichter
 
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Bild mit KI erstellt von Seelenflügelgarten
 

Donnerstag, 7. Dezember 2023

Mittwoch, 22. November 2023

Du und ich

 

Wir wollten die Zeit anhalten,
Du und ich,
Wir wollten durchs Leben tanzen,
Du und ich,
Wir wollten zusammenbleiben
Du und ich
Bis ans Ende aller Zeiten.

Wir waren Eins für lange Zeit,
Du warst mein, ich war dein
Unsere Herzen waren vereint.
Deins und meins.
Bis ans Ende unsere Tage
Das war für uns keine Frage.
Heute und morgen.

Bis in alle Ewigkeit vereint,
So sollte es für uns beide sein,
Für dich und für mich.
Doch dann gings du fort
Fort, an einen anderen Ort.
Ließest mich alleine zurück,
Verflogen war unser Glück.

Ein Ende für uns beide
Für dich und für mich.
Ein Ende, unserer Liebe,
Nichts, was uns bliebe.
Dir und mir.
Du bist für immer gegangen,
Ich in Erinnerungen gefangen,
Von dir und mir, von uns.

 
© Ursula Evelyn
 
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 Bild mit KI erstellt

Donnerstag, 2. November 2023

Abschied vom Sommer

Mittagszauber
 


Goldstaub die Luft! - Der stille Park verträumt,
Die Rosen schwer, vom eignen Dufte trunken,
Und jeder Halm von weißem Licht umsäumt,
Und selbst das Erlenlaub in Schlaf versunken.

Es ist so still - nur dann und wann im Hag
Ein Wachtelruf, des Hähers Liebeslocken,
Ein schluchzend abgebrochner Amselschlag,
Ein kurzes Brausen wie versunkne Glocken.

Ich selbst verträumt, das Auge sonnenschwer,
Es flutet über mich mit schwüler Welle,
Ein blauer Falter taumelt um mich her,
Vom Schilfe tönt das Schwirren der Libelle.

In meiner Seele wird es licht und weit,
Ein Schwanken ist's, ein selig Untergehn…
Des Sommertags verlor'ne Einsamkeit
Fühl ich wie gold'ne Nebel mich umwehn.

Noch sieht mein Aug' ein fallend Rosenblatt,
Ein Wasserhuhn ist taumelnd aufgeflogen.
Ich sinke hin - so still und traumesmatt
Und treibe steuerlos auf Traumeswogen.


Hedwig Dransfeld
1871 - 1925

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Bild: Pixabay

Montag, 18. September 2023

In einem stillen Garten

 
 
In einem stillen Garten,
an eines Brunnens Schacht,
wie wollt ich gerne warten
die lange graue Nacht.
Viel helle Lilien blühen
um des Brunnens Schlund;
drin schwimmen golden die Sterne,
drin badet sich der Mond.
Und wie in den Brunnen schimmern
die lieben Sterne hinein,
glänzt mir im Herzen immer
deiner lieben Augen Schein.
Die Sterne doch am Himmel,
die stehn uns all so fern;
in deinem stillen Garten
stünd’ ich jetzt so gern.

 
Richard Dehmel, 1863-1920

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Bild Pixabay

Dienstag, 8. August 2023

Der Rosenelf

 
Mitten in einem Garten wuchs ein Rosenstock,
 

Er war ganz voller Rosen. Und in einer derselben,
der schönsten von allen wohnte ein Elf.
Der war so winzig klein, dass kein menschliches Auge
ihn erblicken konnte. Hinter jedem Blatt
in der Rose hatte er eine Schlafkammer.
Er war so wohlgebildet und schön,
wie nur ein Kind sein kann, und hatte Flügel
von den Schultern hinunter bis zu den Füßen.
Oh, welcher Duft war in seinen Zimmern und
wie schön und klar waren die Wände.
Es waren ja die blassroten Rosenblätter.

Hans Christian Andersen
aus dem Märchen
Der Rosenelf

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Samstag, 29. Juli 2023

Ein Augenblick im Leben


 
Ein Augenblick geht wie ein Wimpernschlag vorüber
und kommt nie wieder.
Er ist kostbarer, als alles Gold der Welt.
 Das Leben jeden Tag, jeden Augenblick genießen!
Alles ist vergänglich, die Zeit bleibt nicht stehen.
Stunde um Stunde, Minute um Minute vergehen.
Der Sekundenzeiger lässt sich nicht anhalten.
Unaufhörlich zieht er seine Bahn auf dem Zifferblatt
der Uhr und doch bietet jeder Augenblick,
jede Sekunde,
die Möglichkeit, glücklich und zufrieden zu sein,
oder sogar einen Neuanfang zu wagen.
Man kann in jedem Augenblick
das alte Leben loslassen und ein neues Leben anfangen.
Jedenfalls kann man eine solche Entscheidung
von einem Augenblick zum anderen treffen.
Das kann man wirklich!
Und man glaubt ja gar nicht, wie viele kostbare Augenblicke
ein solcher Neuanfang in sich birgt.
Wie viele Augenblicke voller Überraschungen,
voller neuer Erfahrungen
und Erkenntnisse das Leben
nach einem Neuanfang bereithält.
 
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Foto: Pixabay

Dienstag, 18. April 2023

Sei du selbst !

 
 
 
 
  Sei du selbst!
Sei dankbar, wenn du das Glück im Leben findest
und als solches erkennst.
Sei doppelt so dankbar,
wenn du auf dem Weg durch dein Leben
wenigstens hin und wieder
glücklich bist.
Wohin dein Weg durch dein Leben auch führt,
ob über Berge oder durch Täler,
über Meere oder am Fluss entlang,
ob durch Stürme oder Sonnenschein,
durch Dunkelheit oder Licht,
sei achtsam und wachsam.
Du wirst Kraft und Mut brauchen,
aber auch viel lernen und gewinnen.
Genieße jeden Tag, jede Stunde,
denn mit jedem Schritt den du gehst,
vergeht auch die Zeit.
Vergeude sie nicht!
Es ist deine Lebenszeit!
 
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Text © Ursula Evelyn
Bild: Pixabay